Schlaf und Kunst

In der Kunst ist der Schlaf ein besonders geheimnisumwittertes und gerne behandeltes Thema. Einen Gott des Schlafes gibt es bereits in der griechischen Sagenwelt, und selbst Göttervater Zeus ist machtlos gegen ihn. Rangierend zwischen Traum, Tod und Unbewusstem, bot der Schlaf Künstlern, Philosophen und Wissenschaftlern zu allen Zeiten ein ergiebiges Themenfeld, und Ernst Jünger nannte ihn gar die „Zugangsform allen Erlebens“.

Lange Zeit taucht der Schlaf hauptsächlich als Träger von Träumen auf und definiert sich über sie. Berühmteste Beispiele: Johann Heinrich Füsslis Bild „Der Nachtmahr“ und Jean Pauls „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“. Aber auch sonst ist die Romantik ein beliebtes Spielfeld für die Literatur des Traumes. Edgar Allan Poes viel zitiertes Gedicht „Ein Traum im Traume“ etwa beleuchtet vor allem die dunkle aber auch visionäre Seite des Schlafes („Was sich uns erfüllt, was nicht, ist im Traum ein Traumgesicht“, dichtet der Urvater des modernen Schauerromans). Mit der aufkommenden Popularität der Psychoanalyse erfuhren Schlaf und Traum zudem eine wissenschaftliche Aufmerksamkeit, die in der Kunst des anbrechenden 20. Jahrhunderts eine ganze Welle von Werken und Strömungen hervorbrachte. Expressionismus und Surrealismus beziehen aus den Gesetzen des Unbewussten ihre Inspiration.

Mit der einsetzenden neurobiologischen Erforschung des Schlafes fand das Thema eine neue Gewichtung. Die Abwesenheit von Schlaf und dessen fatale Folgen dienen bis heute als Motiv für Literatur und Film. In Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ etwa begeht die Hauptfigur Selbstmord, indem sie sich konsequent das Einschlafen verbietet. Eine moderne Variante des „Fliegenden Holländers“ bietet Angela Sommer-Bodenburgs Roman „Die Moorgeister“, in dem eine Figur auf der Jagd nach einem Mann ist, dem er seine Träume und damit seine Fähigkeit zu schlafen verkauft hat. Populäre Filme wie „Insomnia“ und „Der Maschinist“ zeigen auf ihre Weise die Folgen anhaltender Schlaflosigkeit und fordern von ihren Schauspielern der Glaubwürdigkeit halber einen durchaus bedenklichen Körpereinsatz.

Einen interessanten Überblick zur Rolle des Schlafes in der bildenden Kunst bietet Erika Oehrings Ausstellungskatalog „Süßer Schlummer – Der Schlaf in der Kunst“. Neben zahlreichen Abbildungen finden sich dort auch erhellende Expertenbeiträge zu Themen wie der „Personifizierung des Schlafes in der antiken Kunst“, „Schlaf in der Mythologie“ oder „Schlaf in der zeitgenössischen Fotografie“.