Was ist Schlaf?
Ein Drittel unseres Daseins verbringen wir mit Schlaf. Schlaf ist ein Phänomen, das sich unserem bewussten Wollen zum großen Teil entzieht. Dabei ist Schlaf weit mehr als eine schlichte Erholungsphase oder die Abwesenheit von Wachheit. Vielmehr ereignen sich im Schlaf eine ganze Reihe von Abläufen, die für Wohlergehen und Alltagsbewältigung wichtig sind. Der Schlaf hat einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit.
Schlafmangel schwächt den Organismus. Unser Schlaf ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein sensibler Gradmesser unserer Befindlichkeit. Um uns fit und leistungsfähig zu fühlen, brauchen wir einen gesunden und natürlichen Schlaf. Psychologen schätzen, dass ein Mensch nach zu langer Zeit ohne ausreichenden Schlaf gefährdet ist, psychisch zu erkranken. Ein erholsamer Nachtschlaf ist wichtig, weil er nicht nur den Körper regeneriert, sondern auch die Immunabwehr stärkt, vorzeitige Alterung verhindert und sogar einer Alzheimer-Erkrankung vorbeugen kann, wie neuere Studien beweisen.
Was passiert beim Schlafen?
Unser Schlaf läuft nach einem eigenen Rhythmus und in Phasen ab. Die nächtliche Ruhezeit unterteilt sich in fünf Schlafstadien mit je nach Schlaftiefe charakteristischen Gehirnstrom-Mustern. Bei den Schlafstadien unterscheidet die Schlafmedizin zwischen dem sogenannten Non-REM-Schlaf (von engl: non-rapid-eye-movement) und dem REM-Schlaf (von engl: rapid-eye-movement), der seinen Namen von den einsetzenden raschen Augenbewegungen hat. Der Non-REM-Schlaf, während dessen die Augenbewegungen stark reduziert sind, unterteilt sich in vier Phasen, die mit Stadium I - Stadium IV bezeichnet werden. Sie reichen vom Einschlafen bis in den Tiefschlaf.
Die fünfte Schlafphase ist der sogenannte REM-Schlaf. Im REM-Schlaf finden die meisten Träume statt, weshalb er als Traumschlaf bezeichnet wird oder auch als paradoxer Schlaf, weil in dieser Schlafphase Puls und Blutdruck steigen und die Gehirnstromwellen denen des Wachzustandes gleichen.
Die verschiedenen Schlafstadien wechseln zyklisch etwa 5-7 Mal pro Nacht in einem circa 90-110 Minuten-Rhythmus. Dabei wechseln sich die Tiefschlafphasen, in denen der Schlafende schwerer aufzuwecken ist, mit den Leichtschlafphasen ab. Wenn sich gegen Ende des Schlafs, üblicherweise nach etwa sechs bis sieben Stunden, diese Schlafphasen in immer kürzeren Abständen abwechseln, wird der Schlafende wach. Dieser zyklische Prozess wird auch Schlafrhythmus genannt.
Wie entsteht Schlaf?
Schlaf entsteht im Gehirn und wird auch in seinem Verlauf neurophysiologisch gesteuert.
Dabei wird der Wach-Schlafrhythmus des Menschen im Wesentlichen durch die sogenannte Innere Uhr gesteuert, die auch sein Schlafbedürfnis regelt. Diese biologische Uhr des Menschen rekalibriert sich am Tages- und Nachtwechsel neu. Der Wechsel von Tag und Nacht – also Licht und Dunkelheit – gibt letztlich den Rhythmus unseres Lebens vor.
Warum brauchen wir Schlaf?
Die Funktion des Schlafs ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass Menschen und viele Tiere schlafen müssen, um zu überleben. Das Wieso ist jedoch noch unbekannt und mündet in verschiedene Hypothesen.
Die Regenerative Hypothese besagt, dass Schlaf schlichtweg der Erholung der Organe dient. Es wird aber auch hypothetisch angenommen, dass wir Schlaf brauchen, um das Erlebte im Gehirn besser zu verankern. Dabei scheint insbesondere der REM-Schlaf für die Entwicklung des Gehirns von entscheidender Bedeutung zu sein.
Die Psychische Hypothese bezieht sich auf die Tatsache, dass im Schlaf Erlebnisse der Wachphasen verarbeitet werden. Das Gehirn wird bei dieser Verarbeitung von überflüssigen Informationen „gereinigt“. Auch hilft der Schlaf, neue Erfahrungen einzuordnen und positive wie negative Erfahrungen in Form von Träumen zu verarbeiten.
Schlaf fördert aber auch die Wundheilung. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass Schlafentzug einen negativen Einfluss auf das Immunsystem und den Stoffwechsel hat.
Wie viel Schlaf brauchen wir?
Beim Schlafbedarf gibt es große Unterschiede. Über das Schlafoptimum gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Dabei scheint sich – nach großen Studien in den USA und in Japan – herauszukristallisieren, dass die oft genannten „acht Stunden am Tag“ schon zu lang sind und das Optimum eher zwischen sechs und sieben Stunden liegt, was auch der durchschnittlichen Schlafzeit in Deutschland entspricht.
Entscheidend ist allein, ob man sich wohl fühlt. Unser Schlafverhalten wird maßgeblich durch unser Lebensalter geprägt. So haben Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren ganz unterschiedliche Schlafbedürfnisse.
Was stört unseren Schlaf?
Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung leiden unter einem gestörten Schlaf. Bei den über 65-Jährigen sind es bereits über 40 Prozent, die Probleme mit dem Einschlafen oder Durchschlafen haben. Frauen leiden insgesamt doppelt so häufig an Schlafstörungen wie Männer. Nur das Schlaf-Apnoe-Syndrom (Atemstillstand während des Schlafs) ist eine Domäne der Männer. Zehn Prozent der Männer leiden daran, Frauen selten. Betroffen sind vor allem Männer mittleren und höheren Alters. Vielfach sind sie übergewichtig und haben überhöhten Blutdruck.
Zu den häufigsten Ursachen für Schlafstörungen gehören Stress und seelische Probleme. Ebenso können Ängste oder Schmerzen die Qualität unseres Schlafes vorübergehend beeinträchtigen. Genauso empfindlich reagieren wir im Schlaf auf äußere Faktoren wie Lärm oder ein schlechtes Bett.
Aber auch ernsthafte Erkrankungen können eine Ursache für Schlafstörungen sein. Erkrankungen der Atemwege, Herzkrankheiten oder Magen-Darm-Krankheiten stören die Nachtruhe, auch Augenerkrankungen, hormonelle Störungen, Juckreiz, Leber- und Nierenerkrankungen. Ebenso können degenerative Erkrankungen des Zentralnervensystems wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose Schlafstörungen auslösen, auch Epilepsien, Hirnschäden und Hirntumore sowie Krebserkrankungen generell. Inzwischen sind an die 80 Schlafkrankheiten bekannt.